Kirschblüten als Umweltverschmutzung?

„Jedes Jahr ist es das gleiche!“ seufzt ein Anrainer, wohnhaft gleich neben einer Zierkirschbaum-Allee, als er mit einem Rechen bewaffnet die Straße von einem Meer an heruntergefallenen Kirschblütenblättern reinigt. „Sie verstopfen den Abfluss und wenn man nicht gleich kehrt, fängt das Zeug zu stinken an!“ Herr Katagiri rümpft die Nase und verzieht das Gesicht.

Dann spricht er weiter: „Wenn das ganze wenigstens wie der Schnee im Winter schmelzen würde, dann wäre es ja noch okay!“

Mit einem verzerrten Lächeln fügt er hinzu: „Des einen Freud, des anderen Leid! Stellen Sie sich vor, wie es hier am Nachmittag und am Abend zu geht, wenn die Leute aus der Arbeit kommen und dann ihr geliebtes o-Hanami machen! Ich kann nicht mal schlafen. Und das, obwohl es wegen Corona verboten ist, heuer unter den Bäumen zu picknicken. Irgendwie bin ich sogar froh darüber – aber sagen Sie das nicht meinem Nachbarn… Mit diesen Worten kehrt er weiter.

Es scheint, als wären Herrn Katagiris Gebete erhört worden: Darf man den internen Referenden aus den letzten geheimein Regierungssitzungen Glauben schenken, die es bis in unsere Redaktion geschafft haben, dann könnte es dieses Jahr das letzte Mal sein, dass es für die Einheimischen und die paar Ausländer die Möglichkeit gibt, die kurzwährende Kirschblütenpracht zu betrachten.

Laut diesen ist ein Gesetzt in Prüfung, dass es nicht nur untersagt, Bentos und Sake unter Kirschblüten zu genießen, sondern es sollen in diesem Herbst alle Kirschblütenbäume landesweit abgeholzt werden. Ein Regierungsmitglied sagte unter vorgehaltener Hand zu uns „Die sind zu nichts nütze – wenn sie wenigstens Kirschen tragen würden, aber für die paar Tage zahlt sich der ganze Aufwand nicht aus. Wenigstens können wir sie dann im nächsten kalten Winter als Brennholz verwenden – dann haben sie wenigstens einmal zum Wohl des Volkes beigetragen.

Wir haben eine Anfrage an das Japanische Tourismusbüro geschickt, aber leider noch keine Antwort bekommen. Angeblich ist der Vorsitzende der Fremdenverkehrsbehörde kürzlich wegen eines Schockzustandes zum ersten Mal in seinem Leben in Krankenstand.

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